I. Zueignung
Ein geist’ger Kämpe, frisch
und wohlerfahren,
Durchtrennt die Welt Du,
Freund der Ünterdrückten,
Wo edle Völker ihre Schwerter
zückten,
Verjagten der Tyrannen wilde
Schaaren
Und sich den blutbespritzten
Lorbeer pflücken,
Da konnte man, o Freund, auch
Dich gewahren:
Du griffst beim Schmettern
heller Kriegsfanfaren
Nach edlen Geisteswaffen,
ruhmgeschmückten.
Als Tirailleur des Geistes
brichst Du Bahnen,
Und unerschrocken stehst Du in
den Breschen
Der Forts und der Redouten und
der Fleschen.
O, hoff’s mit mir, die
deutsche Trikolore
Auch sie wird einst verlieren
ihre Flore - -
Und Schleswig-Holstein kennt
die deutschen Fahnen.
II. Die deutsche Trikolore
Esging durch’s Land ein heilig
Morgengrauen
Von neuen, goldnen, nie
geahnten Tagen,
Es klopfte männlich auch das
Herz dem Zagen,
Selbst Memmen saht Ihr
kühnlich um sich schauen.
Aus deutschem Bruderlande,
deutschen Gauen
Einst zugehörig, galt’s den
Feind zu jagen.
Hei, welch’ ein männlich
tapfer Schwerterschlagen! –
Saht Ihr des Reiches Säulen
sich erbauen? –
Das war als noch die deutschen
Fahnen wehten,
Als schwarz-roth-gold die
heilige Parole
In allen Dörfern und in allen
Städten.
Vorbei, vorbei! – Die Tage
sind verschwunden –
O armes, gramerfülltes Herz, o
hole
Dir süßen Trost bei den
vergangnen Stunden.
III. Schleswigs Leue
Seht Ihr ihn dort gefesselt,
Schleswigs Leuen,
Den stets so kühnen dort in
Eisenbanden?
Den starken und den tapfern
und getreuen?
Ihr saht ihn einst die alte
Kraft erneuen
Als treu die Bruderstämme zu
ihm standen, -
Ihr werdet roth, denn jene
Tage schwanden,
Und doch wollt Ihr die
Morgenröthe scheuen?
O Schmach, o tausendfält’ge
Schmach ob Allen,
Die höhnisch ihr schwachen
Schultern zucken
Wenn Sturmesglocken durch die
Lüfte hallen.
Schmach Allen, die nicht
murren und nicht mucken
Und die, wenn Männer ihre
Fäuste balle,
Den Grimm, gleich schwachen
Weibern, schnell verschlucken
IV. Eckernförde a
S’war im April, die ersten
Frühlingsboten
Sie kämpften noch mit Sturm
und Wind und Wettern,
Und schwach nur tönte
Nachtigallenschmettern,
Wenn sturmgemischte
Regenwolken drohten.
Wie die Matrosen mürrisch
aufwärts klettern!
Windstille ist’s. – Ein graues
Feld der Todten
Dehnt sich das Meer. – Das Tau
träg in den Schoten
Seht müßig Ihr die Schiffe,
Meereslettern.
Sie möchten gern und können
nicht vom Strande,
Wohl ahnen sie, daß Tod und
daß Verderben
Bald drohen werden dort vom
deutschen Lande,
Wo man zu rächen denkt die
deutsche Schande. –
- Die Mannschaft träumt von
einem bald’gen Sterben,
Von Blutesströmen, so die
Wellen färben.
V. Eckernförde b
Horch auf, mein Herz, horch
auf das Donnerkrachen,
Vom Lande tönt’s, wie ein
Gewittergrollen.
„Christian der Achte“ und die „Gefion“
zollen
Auch ihren Dank der Strandbatt’rie,
der schwachen.
Hört, stolze Dänen, höret auf
zu lachen,
Vernahmt den Knall Ihr nicht,
den schrecklich vollen?
Seht Ihr nicht dort die
Todeskugel rollen
Und zischend nah’n, gleich
einem Lindwurmrachen?
Ein Todesrachen ist’s! – Die Erde
zittert,
Vor diesem Donner ächzen
selbst die Meere.
Das stolze Dänenschiff, es ist
zersplittert,
Es ist verschwunden; rings nur
Trümmerheere.
Als grause Nachen treiben blut’ge
Leichen –
- Und von der Gefion sinkt das
Dänenzeichen.
VI. Herzog Ernst c
Versenkt in Schweigen und in
tiefes Sinnen
Stand ich allein vor Koburgs
stolzer Feste
Und sah’ erfreut die schönen
Überreste
Aus jener Zeit des Rittersinn,
des Minnen.
Und als ich aus dem Vorhof kam
nach innen
Und fragte: Kastellan, wo ist
das Beste
Hier oben wohl in Eurem
Adlerneste?
Da sagte er: „Dort, unter
jenen Zinnen,
Das Lutherzimmer, und im
Erdgeschosse
Das Gallionsbild vom „Christian
der Achte“,
Das Beste, lieber Herr, im
ganzen Schlosse,
Fürwahr ein herrlich Zeichen,
und es brachte
Sich’s unser hoher Herr aus
Schleswig mit –
Der einz’ge Fürst, der für die
Brüder stritt.“
VII. Die Düppler Schanzen
Es glänzt das Frühroth auf die
Düppler Schanzen,
Manch’ bravem Herzen ward’s
zum Abendrothe,
Denn nach des Schlachtengottes
Machtgebote
Galt’s einen heil’gen
Ehrentanz zu tanzen.
Zurück ihr feigen Memmen und
ihr Schranzen,
Die ihr den Speichel leckt und
küßt die Pfote,
Heut will der Mann von echtem
Korn und Schrote
Mit Deutschland’s Feinden
brechen deutsche Lanzen.
Und höher steigt die Sonne und
beleuchtet
Ein graus Getümmel, ein
verwegen Stürmen. –
Aus Jünglingsherzen und aus
Männerherzen
Rinnt roth das Bluth das
Schleswigs Erde feuchtet.
Ob Wall und Erde sich
entgegentürmen:
Sieg! Sieg! so hallt’s durch
Schlachtengraus und Schmerzen.
VIII. Der Danebrog
Sagt mir nur nicht ich schmähe
Euer Zeichen,
Ich ehre immer und zu jeder
Stunde
Ein Ehrenzeichen. Aber trübe
Kunde
Mag wohl ein armes deutsches
Herz beschleichen
Und stets von neuem
Wermuthbecher reichen,
Von Neuem öffnen manch’
vernarbte Wunde,
Sieht es das weiße Kreuz auf
rothem Grunde,
Dem unbesiegt wir dennoch
mußten weichen.
Der Danebrog, er wich dem
deutschen Aare,
Der siegreich ihn gefaßt mit
scharfen Fängen,
Er wich und wankte vor dem
wilden Drängen.
Da brachte man die schwarze
Todtenbahre,
Die Sieger sollten als besiegt
sich wähnen. –
- Was nütze da das Knirschen
mit den Zähnen?!
IX. Op ewig ungedeelt
Was ohne Leben ist magst Du
zerreißen
Und ruhig beide Theile liegen
lassen,
was willenlos magst Du
zusammenpassen
Und es, wie Eisenstücke, fest
verschweißen.
Nie aber trennst Du die, so
Brüder heißen,
Zusammen bringst Du nie, die
wild sich hassen
Wie Feuerbrände und wie
Wassermassen. –
Mag noch so schön der Fluß der
Rede gleißen,
Und magst Du noch so schön die
Zukunft malen,
Du trennst zwei Brüder nicht,
die sich umschlingen.
Und wende Zwang und Folter an
und Qualen;
Op ewig ungedeelt! hörst Du’s
erklingen! –
O fülle nicht zu voll! Die
stärksten Schalen
Sie könnten leicht zur Unzeit
Dir zerspringen.
X. Das Leichentuch
Schon träumtest du Dich unter
Freiheitsbäumen,
Das scharfe Schwert, wie
siegreich ward’s geschwungen,
Wie grün der Lorbeer, der so
heiß errungen, -
Es war ein selig, ein
beglückend Träumen.
Da kamen sie den freien Leu zu
zäumen,
Er wäre ja vielleicht zu weit
gesprungen!
Die Kette paßte, seht es ist
gelungen,
Er ist gefesselt, - mag er
wüthend schäumen!
und wehrlos übergabt ihr ihn
den Mannen,
Die eben siegreich er gejagt
von dannen. –
So schall’s euch denn
entgegen, feige Memmen,
Ihr habt verkauft, betrogen
und verrathen!
O glaubt es, glaubt es, eure
missethaten
Sie können doch den
Freiheitsflug nicht hemmen!
XI. Die Hoffnung
Grau hängt es noch und trüb am
Horizonte,
Die Sonne kann die Wolken
nicht durchdringen,
Dem Genius der Freiheit sind
die Schwingen
So kurz geschnitten als man
immer konnte.
Und von der Nordsee bis zum
Hellesponte
Darf man Moll nur von der
Freiheit singen.
Wie Mancher büßt es noch in
Eisenschlingen,
Daß er sich in der Freiheit
Sonne sonnte.
Doch will mich nicht die süße
Göttin fliehen:
Die Hoffnung, - und sie
flüstert meinem Herzen:
Ob graue Wolken auch
vorüberziehen
Die Sonne kommt nach Nacht und
Graus und Schmerzen,
Und siegreich wird die
deutsche Oriflamme
Einst flattern auch dem
deutschen Bruderstamme
XII. Ein deutscher Gruß
Und nun Euch Brüdern dort im
deutschen Norden
Ein deutscher Handschlag und
ein treues Grüßen.
O hofft’s mit mir, bald ist
vorbei das Büßen,
Das Jammerlied in trüben
Schmerzakkorden.
Man will Euch, deutsche
Brüder, geistig morden
Man tritt das Heiligste mit
rohen Füßen –
Nichts könnte Euer Dasein Euch
versüßen
Wenn Rachehoffnung nicht zum
Trost geworden.
Schaut auf und vorwärts,
Brüder, ohne Zagen,
Einst wird, einst muß der Tag
der Freiheit tagen
Wo Sturmgeläut und
Schlachtendonner hallen. –
Und, der ich diese Lieder
sang, - im Streite
Werd’ ich Euich treulich
stehen an der Seite.
- Bis dahin Händedruck und
Gruß Euch Allen.